Kraftwerk

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Bandmitglieder:

Ralf Hütter, Florian Schneider (bis 2008), Fritz Hilpert, Henning Schmitz

Kurzinfo:

Mitte der 70er Jahre setzte die deutsche Band Kraftwerk mehr und mehr synthetische Klangerzeuger ein und wurde in den nächsten Jahrzehnten zum weltweiten Vorbild für elektronische Musik. Von der britischen New Romantic-Bewegung über Hip-Hop bis hin zu Techno; alle diese Stilrichtungen verweisen heute auf Kraftwerk als Einfluss und Inspirationsquelle. Vor allem die hypnotisch-minimalistischen Klänge und die starke Rhythmik der Musik, die ausschließlich eletronisch erzeugt bzw. gespielt wird – kann in nahezu jeder neuen Entwicklung der Popmusik des späten 20. Jahrhunderts herausgehört werden. Aus diesem Grund kann der nachhaltige Einfluss von Kraftwerk als Pioniere der elektronischen Musikform gar nicht hoch genug gewürdigt werden.
Kraftwerks Wurzeln finden sich in der deutschen experimentellen Musikszene der späten 60er Jahre, die heute gerne als Krautrock bezeichnet wird. Also in jenem musikalischen Umfeld, das auch Can, Neu! und Tangerine Dream hervorbrachte.

Bandinfo:

Die beiden Hauptmitglieder und Kraftwerk-Vordenker Florian Schneider-Esleben und Ralf Hütter lernten sich bereits Anfang der 1970er-Jahre am Düsseldorfer Konservatorium kennen, wo sie klassische Musik studierten. Zu dieser Zeit entstand auch der Kraftwerk- Vorläufer „Organisation“ bzw. das Album „Tone Float“. Kurze Zeit später begannen Schneider und Hütter mit der Arbeit an einem eigenen Tonstudio, welches später als Kling-Klang-Studio (auch Klingklang) bekannt werden sollte und firmierten fortan unter dem Namen Kraftwerk. Eine frühe Kostprobe aus der noch jungen Welt der minimalistischen Elektronik bot dann 1971 das Debütalbum „Kraftwerk 1“, welches bereits einige Innovationen bereithielt und teilweise schon mit selbstgebauten Rhythmusmaschinen experimentierte.

In den Folgejahren kam es zu einigen Umbesetzungen innerhalb der Band, zwischenzeitlich verließ sogar Ralf Hütter kurzzeitig die Gruppe. Doch mit der Veröffentlichung des Albums „Kraftwerk 2“ von 1972 und der dritten LP „Ralf und Florian“ von 1973 kristallisierte sich langsam eine feste Bandbesetzung und auch das Konzept für eine rein technische Musik heraus. Ein Ansatz der auf die meisten damaligen Musikern und Zuhörer befremdlich wirkte, aber zusammen mit dem Bandimage seine Wirkung nicht verfehlte. Denn ihre künstlich-wissenschaftliche und weltlich-entrückte Unnahbarkeit stand in direktem Gegensatz zu den damals vorherrschenden Pop-Attitüden.
1974 folgte dann Kraftwerks erstes echtes Konzept-Album „Autobahn“, welches ein großer Erfolg wurde. Als neues festes Bandmitglied kam hierbei Wolfgang Flür als Schlagzeuger zum Einsatz, während für Gitarrist Klaus Röder fortan keine weitere Einsatzmöglichkeit mehr bestand. Dank der stark gekürzten Single-Version des 22-minütigen Titelstücks „Autobahn“ konnten Kraftwerk zudem hoch in die amerikanischen und britischen Hitparaden einsteigen. Dieser große Erfolg, gerade für eine deutsche Band, etablierte nicht nur den typischen Kraftwerk-Sound, sondern sicherte in den Folgejahren langsam einen festen Platz für elektronische Musik im sogenannten Mainstream. Autobahn wurde von Produzentenlegende Conny Plank in dessen Wolperather Studio aufgenommen und war seine letzte Zusammenarbeit mit Kraftwerk.

Im Jahre 1975 veröffentlichten Kraftwerk dann ein weiteres viel beachtetes Konzeptalbum mit „Radio-Aktivität“, welches das Themaspektrum Radiotechnik und Radioaktivität behandelt. Auf diesem Album wird das kraftwerksche Gesamtkonzept noch deutlicher und aufgrund der gewachsenen internationalen Popularität der Gruppe wird es sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache veröffentlicht. Als neues Langzeitmitglied kam hierbei Drummer und Studiomusiker Karl Bartos dazu, dessen Kraftwerk-Mitgliedschaft alle Alben von Radioaktivität bis Electric Cafe überdauern sollte. Für das Album Radio-Aktivität verfasste erstmals auch Emil Schult große Teile der Gesangstexte. Welchen Einfluss er auf die Textausgestaltung hatte, wird zum Beispiel an einem Querverweis deutlich, wenn man den Text zu „Via Satellit“ (ebenfalls aus der Feder von Emil Schult) der Düsseldorfer Band Rheingold von 1983 betrachtet. „Via Satellit“ (produziert von Conny Plank) wirkt gerade textlich und teilweise auch klanglich wie ein Outtake aus Radio-Aktivität.
Zugreisen durch Europa wurden zum Hauptthema des Albums „Trans Europa Express“ (Trans-Europe Express) von 1977, das stark von einer maschinell wirkenden Rhythmik getragen wird. Auch das Roboter-Image wird mit dem Titel „Schaufensterpuppen“ (Showroom Dummies) eingeführt, welches auf dem Nachfolger noch weiter ausgebaut werden sollte, der 1978 unter dem Namen „Die Mensch-Maschine“ (The Man Machine) erschien. Das Album befasste sich thematisch mit Zukunftsvisionen und Technisierung, teilweise in Anlehnung an den Stummfilmklassiker „Metropolis“ von Fritz Lang (1927). Zu dieser Zeit kamen auch erstmals die Kraftwerk Schaufensterpuppen zum Einsatz, die nicht nur zu Promotionszwecken für „Wir sind die Roboter“ (We Are the Robots) und zur weiteren Entmenschlichung der Bandmitglieder genutzt wurden. Denn die Pressescheu von Hütter und Schneider galt zu jener Zeit bereits als legendär. Mit der Single „Das Model“ (The Model) gelang Kraftwerk auch ein Nummer-1-Hit in den britischen Singlecharts, allerdings erst im Jahre 1982 als Wiederveröffentlichung. Damals erreichte der Hype um Synthie-Pop und New Romantic-Bands in England seinen Höhepunkt.
Nachdem die späten 1970er-Jahre im Zeichen des Punks standen und parallel die ersten Kraftwerk-Einflüsse langsam in die Musikszene einsickerten. Zum Beispiel zu hören und zu sehen bei „Oxygène (Part IV)“ von Jean-Michel Jarre oder Magic Fly von Space (Didier Marouani), nahmen sich Kraftwerk eine längere kreative Auszeit und kehrten erst mit dem Album „Computerwelt“ 1981 zurück. Einem weiteren Konzeptalbum, welches sich dieses Mal rund um die (zweifelhaften) Errungenschaften einer computer-dominierten Welt drehte. Zwar gilt Computerwelt heutezutage als richtungsweisend für die elektronische Musik und hat Genres wie House und Techno stark beeinflusst. Allerdings deutet sich auf dem Album bereits an, auch wegen des langen Produktionszeitraums, wie schwer es der Band gefallen sein muss, ihren technischen Vorsprung im Zuge einer florierenden Synthie-Pop-Welle zu halten. Nachdem Kraftwerk mit der Single „Computerliebe“ (Computer Love) nochmal bis in mittleren Regionen der britischen Charts vorgedrungen war, verschwand die Band abermals von der Bildfläche für eine fünfjährige Pause. Lediglich unterbrochen für die Single „Tour de France“ 1983, anlässlich des 80. Geburtstags des Tour de France Radrennens.
Die mehrfach verschobene Veröffentlichung des „Techno Pop“-Albums, vollzog sich dann erst 1986 in Form von „Electric Café“. Als Singles wurden die Titel „Musique Non-Stop“ und der von Karl Bartos gesungene Track „Der Telefon-Anruf“ ausgekoppelt. Mittlerweile war die Popmusik jedoch von Synthesizern und Drumcomputern soweit durchdrungen und die Spielarten mit Electro-Experimenten und EBM so weit ausgedehnt, dass Kraftwerk nicht mehr als Innovationsmotor herhalten konnte. Die Gruppe wurde zwar nach wie vor respektiert und für ihre Errungenschaften gelobt, aber die Singles waren nicht sehr erfolgreich bzw. bahnbrechend. Als Innovation wurde jedoch das Musikvideo zu „Musique Non-Stop“ gefeiert, welches unter Aufwendung von enormer Rechen- bzw. Rechnerleistung die computeranimierten Köpfe (Stichwort: Zerlegung von Gegenständen in Polygonraster) von Kraftwerk zeigt.
In den 90er-Jahren wurde es dann endgültig still um die Band, obwohl sie weltweit echten Kultstatus erreicht hatte. Von Techno über Hip-Hop bis hin zu House, EBM und Industrial, verwiesen und verweisen zahlreiche Genre-Größen auf die allgegenwärtigen Kraftwerk-Einflüsse. Deshalb verwundert es auch nicht, dass der Dance-Bereich 1991 das offensichtliche Ziel von „The Mix“ war – eine (für echte Fans) eher überflüssige Sammlung an zeitgemäßen aber leider nicht sehr zeitlosen Remixen. Während der Arbeiten an dieser Remix-CD verließ dann auch Langzeitmitglied Karl Bartos die Band, um seine eigenen musikalischen Ambitionen und neue Song-Ideen in das Projekt „Elektric Music“ einfließen zu lassen.
Neues Kraftwerk-Material gab es dann erst 1999 zu hören, als sich die Band mit dem Jingle (und einer dazugehörigen Single) für die Weltausstellung in Hannover „Expo 2000“ zurückmeldete. Da für diese Komposition angeblich rund 400000DM gezahlt wurde, mussten auch Kraftwerk damals viel Spott und Hohn über sich ergehen lassen, da dieses Jingle eigentlich nur aus der typischen verzerrten Kraftwerk Vocoder-Stimme besteht, untermalt von Computer-Klängen.
Diese berühmt-berüchtigten Expo-Jingles und die „Tour de France Soundtracks“ von 2003 mit denen Kraftwerk und Radsport-Fan Ralf Hütter das 100-jährige Jubiläum der Tour de France feierten, waren die letzten Originalveröffentlichungen von Kraftwerk. Tour de France Soundtracks war zugleich auch das letzte Kraftwerk-Album mit Beiträgen von Florian Schneider, der die Band im Jahr 2009 verließ. Trotzdem waren Kraftwerk bzw. die Band (Fritz Hilpert, Henning Schmitz) um das verbliebene Gründungsmitglied Ralf Hütter in der Folgezeit nicht untätig. 2005 folgte die Live-Aufnahme „Minimum-Maximum“. 2009 erschien ein Boxset, welches die acht offiziellen Studioalben aus der langen Bandkarriere zusammenfasste. Wobei jeder Titel digital neu gemastert wurde und einige der Veröffentlichungen mit neu gestaltetem Cover-Artwork versehen wurden. Zudem wurden auch seltene Fotografien und Bandfotos mit aufgenommen, die nicht Teil der Originalveröffentlichungen der Platten waren. 2012 spielte die Band ihre Studioalben von Autobahn bis Tour de France im New Yorker Museum of Modern Art.

News & Trivia:

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte ist der Kult und das Interesse an der Band Kraftwerk immer weiter gewachsen, die Mythenbildung vorangeschritten. Mittlerweile sind selbst die wenigen Kraftwerk-Konzerte und Pressetermine zu echten Medienereignissen geworden. Auch im neuen Jahrtausend inspirierten Kraftwerk noch andere Musikgruppen, so beruht die Coldplay-Single ‚Talk‘ offensichtlich auf dem Kraftwerk-Song ‚Computerliebe‘.

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